Entwicklungsgebiet Fahrland-West oder: Jede Woche eine neue Sau durchs Dorf getrieben?

Der Potsdamer Bau-Beigeordnete Bernd Rubelt hatte zu Beginn des Monats in den Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung sein neuestes Großprojekt vorgestellt: Für die Planung der Tram-Erweiterung im Norden (sowie die Planung einer alternativen Tram nach Golm) sei die Ausweisung von Prüfarealen für zukünftige Entwicklungsgebiete notwendig, um möglichen Bodenpreisspekulationen vorzubeugen – da ab dem Zeitpunkt des Beschlusses der Stadtverordnetenversammlung die aktuellen Bodenpreise eingefroren werden. Problem hierbei zunächst einmal: Es handelt sich in beiden Fällen um sehr große Flächen, die nahezu komplett im Landschaftsschutzgebiet liegen und damit besonderem Schutz unterliegen. Eine Herauslösung funktioniert nur, wenn Landesbehörden mitspielen und auch nicht ohne weiteres – es sind ja nicht einfach so Schutzareale.

Wir haben aber vor allem den Eindruck, dass der eigentlich gute und dringend notwendige Plan zur Vermeidung des Verkehrskollaps – die Verlängerung der Tram bis Fahrland – hier durch überfliegende Pläne künstlich aufgebläht wird. Dabei besteht die Gefahr, dass am Ende der gesamte Plan torpediert wird und wir am Ende mal wieder mit noch mehr Wohnbebauung, aber ohne jegliche dazugehörige Infrastruktur da stehen. Weil das Projekt eine Nummer zu groß ist.
Statt einfach die Tram zu bauen, wird hier gleich wieder ein Großprojekt draus gemacht – mit Tram-Depot, Stadtentsorgungsflächen und Berufsfeuerwehrfläche – alles im Zuge von Krampnitz nötig, warum aber eigentlich in Fahrland und im Landschaftsschutzgebiet und nicht in Krampnitz auf heute bereits bebaubarem Gebiet ohne langjährige und unsichere Verfahren?
Aber dem nicht genug, in der Presse wurde nun bekannt, dass die Pläne sogar noch weitgehender sind und auch Wohnbebauung enthalten – nebst dann ebenfalls notwendigen weiteren Flächen für die Schulerweiterung, Kitas, Spielplätze und Kleingärten. Die Schulerweiterung planen sie bereits seit knapp einem Jahr, auch ohne Entwicklungsgebiet. Kitas sind bereits 2 weitere entlang der Gartenstraße geplant, weitere bräuchte man nur, wenn hier nochmal massiv Wohnbebauung geplant wird heimlich. Spielplätze fordern wir momentan in jedem Bebauungsplan in Fahrland – bisher wurden wir immer abgeschmettert. Warum denkt man nicht am Friedhof oder an der Ketziner Str. mal an einen Spielplatz? Und Kleingärten sind nötig in Potsdam, das ist richtig, aber hier haben sie nur den faden Beigeschmack, die Wohnbebauung mit verkaufen zu wollen.

Bewusst machen muss man sich auch: Die Fläche ist über 60 Hektar groß! 60! Das ist mehr als doppelt so groß wie die beiden Semmelhaack-Viertel Upstall-Nord und -Süd zusammen!

Das werden wir so nicht mitmachen, Tram ja, aber kein 2. Klein-Krampnitz!
Die Tram wurde geplant für die in Fahrland bereits wohnenden Menschen plus die in Krampnitz geplanten 10.000 bis 13.000 Menschen. Bereits dafür war die Machbarkeitsstudie stark positiv (und zwar bis Fahrland). Dafür braucht es also keine weitere massive Wohnbebauung und erst recht nicht in schützenswerten Arealen. Die Nutzung dieses Areals sollte sich auf das absolut Notwendigste beschränken und das ist vor allem erst einmal die Tram (ggf. mit Tram-Depot) und die dringend notwendige Schulerweiterung. Mehr nicht.

Hier findet ihr die Pressemitteilung der Stadt, und hier einen Artikel der PNN.

Bauvorhaben Ketziner Str. – aktuelle ausführliche Berichterstattung

Im Magazin „Der Potsdamer“ ist ein ausführlicher Artikel zum Bauvorhaben in der Ketziner Straße erschienen, der viele Tatsachen noch einmal anschaulich erklärt und zusammenfasst. Wir empfehlen das Lesen unbeding.

Hier ein kleiner Auszug als Vorgeschmack:

„Doch die erwähnte „Berücksichtigung der Interessen des Allgemeinwohls“ in Bezug auf das Bauvorhaben sieht man auf Fahrländer Seite etwas differenzierter.  Die Einwohner Fahrlands sowie der Ortsbeirat haben der Verwaltung gegenüber ihren Unmut über die Bauplanung und das Zustandekommen des städtebaulichen Vertrages mehrfach zum Ausdruck gebracht. […] “ – bisher jedoch erfolglos.

… und zum Thema Kostenbetieligung für Infrasturktur (statt nur Wohnungsbau!) “ Mit anderen Worten: Weil die Firma Semmelhaack wie jedes andere Bauunternehmen dazu verpflichtet wurde, ein geregeltes B-Plan-Verfahren in Bezug auf ihr Bauvorhaben zu durchlaufen und die damit verbundenen Kosten zu tragen, sei es ihr nicht zuzumuten, die laut Potsdamer Baulandmodell verpflichtende Umlage für den Aufbau der sozialen Infrastruktur zu leisten.“

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt…

„Kurzfristiger“ kommunaler Kita-Neubau in Fahrland geplant

Schon vor über einem Jahr wurde seitens des damaligen Beigeordneten Mike Schubert (heutiger OBerbürgermeister) die Errichtung einer 2. Kita auf kommunalem Grund bis zum Sommer 2019 (Eröffnung zum Kitajahr 2019 im Herbst) zugesagt, und zwar am Standort Gartenstr./Mühlenring schräg gegenüber vom Nahkauf. Seitdem tat sich nicht viel, inzwischen verbleiben auch nur noch 8 Monate.

In der aktuellen Presse heißt es in einem PNN-Artikel, „fest eingeplant sind jedenfalls Gelder für schnell zu errichtende Typenbauten im Kita-Bereich […]. Dazu ist noch kurzfristig ein Kita-Neubau für Fahrland geplant. Die Zuschläge für diese Aufträge seien noch vor Weihnachten erteilt worden, sagte Richter. Nun hoffe man, dass bis zum Sommer Häuser in mit Stahl verstärkter Fertigbauweise errichtet werden können – als erste Kitas dieser Art in Potsdam. Sie sollen schnell und dennoch langfristig helfen, den stetig wachsenden Bedarf zu decken.“

Wir freuen uns, dass es nun vorwärts gehen soll, hoffen aber, dass die Qualität dieser „Fertigbauten“ dann auch stimmt und dass die geplante Eröffnung in 8 Monaten eingehalten werden kann.

Darüber hinaus wurde mit der Prüfung des kommunalen Betriebs der Kita (inzwischen wohl verworfen) viel Zeit verloren bezüglich einer Ausschreibung für eine private Trägerschaft, die es nun schleunigst aufzuholen gilt.

Potsdams Norden bekommt zum kommenden Schuljahr seine 2. Gesamtschule

Die neue Gesamtschule in der Pappelallee startet vorfristig schon zum kommenden Schuljahr – vorerst in den Containern gegenüber der Biosphäre (dort zieht die Grundschule Rote Kaserne Ost im Sommer aus in ihr neues Gebäude).

Alle Infos sehr schön und sehr übersichtlich zusammengefasst stehen hier in der MAZ.

Wir hoffen sehr, dass damit endlich eine deutliche Entlastung der Schüler*innen aus den nördlichen Potsdamer Ortsteilen im ü7-Verfahren stattfindet, um damit Schulwege deutlich zu verkürzen.