Teilerfolg: Ortsbeirat lehnt Bebauung Ketziner Str. 22 ab

Unser BI- Mitglied Esther Raudszus-Walter, ebenfalls Mitglied der Anwohnerinitiative gegen die Bebauung der Ketziner Str. 22, sprach gestern im Ortsbeirat Fahrland gegen das geplante Bauvorhaben an der Ketziner Str. (ehemals 22). Der diesbezügliche Antrag wurde dann auch mit 5 Gegenstimmen (Birgit Eifler und Helmut Querhammer von den Grünen, Stefan Matz von der Linken sowie Uwe Rückert und Karsten Etlich von der SPD) bei 2 Fürstimmen (durch Claus Wartenberg und Wolfgang Dau von der SPD) zum Glück deutlich abgelehnt.
Nun geht es nochmal in den Bauausschuss zur Beratung und dann Anfang Januar erneut in die Stadtverordnetenversammlung. Wir hoffen, dass dort auf ein so deutliches Votum diesmal gehört wird – in der Vergangenheit war das ja leider selten der Fall.
Alle Unterlagen sind hier online zu finden.

Hier nun Esthers tolle Gastrede im gestrigen Ortsbeirat:

Wir sind unmittelbare Anwohner, und dass zum Teil schon über 30 Jahre, des zur Bebauung vorgesehenen Grundstücks an der Ketziner Straße.

Wir kommen uns gerade vor wie im Kampf von David gegen Goliath – ein großer Vorhabenträger, der in den letzten Jahren schon viel in Fahrland und anderswo in Potsdam gebaut hat, will noch mehr bauen.

Es gab schon etlichen Wirbel um dieses Bauvorhaben.

Die Fläche von etwa 1,5 h mitten im alten Ortskern von Fahrland gelegen, würde schon bebaut werden, wenn wir als Anwohner nicht die Initiative ergriffen hätten, über einen Fachanwalt für Baurecht bei den zuständigen Behörden (Bauamt und entsprechende Ministerien im Land) die Recht-mäßigkeit des 2017 geschlossenen städtebaulichen Vertrages mit dem  Investor überprüfen zu lassen.

Im Zuge des als widerrechtlich eingestuften abgeschlossenen städtebau-lichen Vertrages sind bereits Tatsachen geschaffen worden, die kaum noch zu heilen sind:

  1. Durch den Abriss der Gebäude Ketziner Straße 22 sind Winter-quartiere von einer sehr seltenen Fledermausart zerstört worden.
  2. 24 sind Bäume gefällt worden, davon 21 mit besonderem Schutz-status (zusätzlich sogar ein Baum auf privatem Gelände).
  3. Brutplätze von seltenen Vogelarten wurden vernichtet, die Feld-lerche wurde als Bodenbrüter vertrieben.
  4. Es fand eine brachiale Vergrämung des unter Naturschutz stehenden Maulwurfes statt:

Zuerst wurde mit einer schweren Rüttelplatte das gesamte Areal abgefahren und danach eine intakte Grünfläche rigoros umgepflügt, mit dem Ergebnis, dass die Maulwürfe jetzt in unseren Gärten sind.

Alle soeben aufgezählten Maßnahmen wurden übrigens ohne rechts-    gültigen Bebauungsplan durchgeführt.

Als Mitglieder der Anwohnerinitiative möchten wir Ihnen nun unsere  Gründe darlegen, weshalb wir der Überzeugung sind, dass dieses grüne Biotop nicht bebaut werden soll: Nur am Rand sei bemerkt, dass wir in der kurzen Zeit der ersten öffentlichen Auslegung mitten in der Urlaubszeit fast 300 Unterstützerunterschriften für unser Anliegen erhalten haben, diese Fläche nicht zu bebauen.

Jetzt zu den Gründen:

  1. Eine Grünfläche würde zerstört werden, die es laut Landschaftsplan zu erhalten gilt und die laut uns bekannter Beschlusslage der Stadtverordnetenversammlung nicht als Bauland ausgeweitet werden soll.
  2. Ein weiteres klimabildendes Grünbiotop würde vernichtet werden:

Im Rahmen der Umweltprüfung wurde festgestellt, dass die Durchführung der Baumaßnahmen erhebliche Umweltauswirkungen für die Schutzgüter Fläche und Boden, Tiere und Pflanzen, biologische Vielfalt und Klima/ Luft und Lufthygiene nach sich ziehen wird. Maßnahmen zur Vermeidung wurden hierbei bereits berücksichtigt.

Ich nenne nur das Beispiel, dass keine wirkliche Abkühlung in der Nacht erfolgen kann. Schmergow 25 km entfernt als Ausgleichs-fläche – klingt für uns als direkt betroffene Anwohner einfach absurd.

  1. Das Ortsbild vom Dorfkern Fahrland ist geprägt durch eine strassenbegleitende Bebauung mit landwirtschaftlicher Fläche im Hinterland (hier Grünland). Diesem wird nach unserer Meinung im vorliegenden Bebauungsplan mit 34 Häusern und 68 Autostellplätzen auf etwa 1,5 h Fläche überhaupt nicht Rechnung getragen. Spielplätze oder andere öffentliche Grünflächen sind in der Planung nicht vorgesehen.
  2. Hinsichtlich der bestehenden Aufnahmekapazität der Straßen wird vom Landesamt für Umwelt, Abt. Immissionsschutz angemerkt, dass keine weiteren Wohngebiete mit Anbindung an die L 92 und B 2 geplant werden sollten, solange nicht geklärt ist, ob die Kapazität für die bisherigen Planungen (B-Plan „Entwicklungsbereich Krampnitz“) ausreichend ist.
  3. Fahrland ist in den vergangenen Jahren extrem stark gewachsen:

Zahlen langweilen, erwähnen möchte ich hier nur: 1993 lebten in Fahrland 1200 Einwohner, Ende 2017 schon 5.065. Das ergibt einen Zuwachs von knapp 3900 Bürgern in etwa 24 Jahren. Für ein Dorf wie Fahrland sehr beträchtlich.

  1. Mehr Schaffung von Wohnraum führt nicht nur nach unserer Auf-fassung zu Stabilität oder gar Senkung von Mieten, sondern nur zu noch mehr Bedarf an Wohnungen, noch mehr versiegelter Fläche, noch mehr Verkehr.

Potsdam, eine Kommune mit einem Masterplan Klimaschutz?

Bei dem hier vorgesehenen Bebauungsplan wird wieder einmal mehr ein ABER gefunden, um notwendige Klimaschutzmaßnahmen zu umgehen, zu vermeiden, außer Acht zu lassen! Klimaschutz nur ein Lippenbekenntnis?

Die Potsdamer Klimaforscher appellieren aktuell an die Politik, also in   diesem Fall auf unterster Ebene an Sie – endlich die Kehrtwende einzu-leiten! Die Zeit wird knapp!!!

 

Wir möchten Sie bitten und fordern Sie nachdrücklich auf: Nehmen Sie uns als Anwohner wahr und sehr ernst.

Es würde von Weitblick und Größe zeugen, wenn nicht nur die Interessen großer Bauträger oder Vorhabenträger in Ihrem Blickfeld sind und Beachtung finden, sondern ein umweltverantwortlicher Umgang mit unserer gemeinsamen Zukunft in unserem Fahrland stattfindet!

STADT FORUM POTSDAM: Entwicklung des Potsdamer Nordens

Liebe Fahrländer*innen,
das STADT FORUM POTSDAM diskutiert am Donnerstag, 11.10. die Entwicklung Potsdams und ihrer Ortsteile und lädt alle Potsdamer und Potsdamerinnen dazu ein. Da es besonders um den Potsdamer Norden gehen soll, auch in Bezug auf den Kultur – und Naturraum, sollten wir Fahrländer*innen dort zahlreich erscheinen!
Eine wichtige Gelegenheit deutlich zu machen, was uns wichtig ist und mitzubestimmen.

Wann: 11.10.18, 18 Uhr
Ort: Leonardo-da-Vinci-Gesamtschule, Esplanade 3. 14469 Potsdam
Thema: Potsdams „neue“ Ortsteile, Aus Anlass der Eingemeindungsjubiläen 2018 diskutiert das STADT FORUM POTSDAM die Beziehung der Stadt Potsdam und ihrer Ortsteile.

Alle Infos gibt es auf der Homepage der Stadt.

Kino in Fahrland: Bürgerverein zeigt „Stilles Land“ von Andreas Dresen

MITTWOCH,  26.September 2018, 19:30Uhr Kulturladen

„Stilles Land“  Andreas Dresen, 1992

Eine Kritik: „Dieser Film ist meiner Meinung nach ein grandioses Meisterwerk, weil er ohne Pathos, mit einfachen, bescheidenen Mitteln, einfühlsam und klischeefrei von der Wendezeit erzählt, wie sie die Mitarbeiter eines kleinen Theaters in der DDR-Provinz erleben. Es ist selten, dass ich einen Film mehrfach anschaue, aber diesen kann ich immer wieder auf das Neue genießen, ohne dass er langweilig wird, weil so viel Wahrhaftigkeit in sich trägt.“

 

Von einem, der auszog und in Potsdam hätte zum Wutbürger werden können – Ein modernes Märchen

Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten sind beabsichtigt.

1. Kapitel: Wie alles begann

Eines Tages musste ein demokratisch gesinnter Bürger aus beruflichen Gründen nach Potsdam ziehen. Er schnürte sein Ränzlein und begab sich auf den Weg. Leider war es ihm nicht möglich, in angemessener Frist eine Behausung zu finden, für die seine Taler, die er monatlich von seinem Dienstherren bekam, reichten. Deshalb pendelte er erst einmal täglich 400 km. Aber dann die Erlösung! Es fand sich ein Häuschen am Stadtrand, bezahlbar, und es gab sogar eine Kutsche (Bus 609), die regelmäßig fuhr. Der Bürger war überglücklich.

2. Kapitel: Angekommen

Nachdem er sich eingelebt hatte, dachte der Bürger, jetzt sei es an der Zeit, das Auto stehen zu lassen und mit den öffentlichen Kutschen nach Berlin zur Arbeit zu fahren. Doch dann passierte es: Die Kutsche  am Morgen von Fahrland nach Potsdam war übervoll. Nach einem langen Arbeitstag, der länger dauerte als der eines Bediensteten der Stadt, kam der Bürger abends völlig geschafft aus Berlin zurück und musste dann Am Schragen eine Stunde auf die Kutsche nach Fahrland warten. Es war kalt und es regnete. Erschöpft kam der Bürger zu Hause an. Trotzdem interessierte er sich noch für regionale Nachrichten, das gehört ja für einen demokratischen Bürger dazu. So erfuhr er, dass die Stadt bundesweit mit die höchsten Wasser- und Abwassergebühren hat und dass sein Belieferer für Warmwasser ebenfalls sehr teuer ist. Beides muss der Bürger hinnehmen. Komisch kommt ihm vor, dass der Bürgermeister, das Wohnungsunternehmen und der Fernwärmeversorger aus derselben Stadt weit weg von Potsdam kommen.

3. Kapitel: Wegelagerer fallen in Fahrland ein

Noch in Gedanken über diesen Zufall liest der Bürger, dass die Stadt ganz verwundert ist, wo auf einmal die vielen kleinen Erdenbürger herkommen, die einen Platz in der Kita brauchen oder die Schule besuchen müssen. Er denkt sich, die arme Stadt wird von Wegelagerern in Beschlag genommen, die plötzlich in Fahrland eingefallen sind. Er schlief ein und im Schlaf sagte ihm eine Stimme: „Du Depp, es sind keine Wegelagerer, die in Fahrland eingefallen sind. Das sind Bürger wie Du. Und lange, bevor sie ihre Behausungen bauten, mussten sie einen Antrag stellen. Die Stadt wusste seit Jahren, wie viele Menschen nach Fahrland ziehen werden und konnte berechnen, wie viele Kinder das bedeutet.“

4. Kapitel: Der Verdacht

Am nächsten Morgen wachte der Bürger auf und lies sich von seinem Traum und den vielen komischen Informationen über seine neue Heimat nicht verunsichern. Er dachte sich, ich werde mich mit dafür einsetzen, dass sich alle Bewohner und Bewohnerinnen in Fahrland wohl fühlen und freute sich schon auf die gute Zusammenarbeit mit der Stadt. Leider blieb das mit der guten Zusammenarbeit Wunschdenken. Die Stadt hat sich nicht für die Anliegen der Bürger interessiert, nimmt sie nicht ernst und verhält sich arrogant und ignorant. Langsam schleicht sich bei dem demokratisch gesinnten Bürger der Verdacht ein, dass in der Stadt die falschen Herrscher an der Macht sind.

5. Kapitel: Die Stadt will die Taler des Bürgers

Seine wenige Freizeit nutzte er, um sich zu bilden. Dafür besuchte der Bürger Kurse in der Schule, die fürs Volk gebaut wurde (VHS). Aber auch dafür möchte die Stadt Taler von ihm haben. Eines Tages bekam er eine Rechnung, die nicht korrekt war. Da die Verwaltung der Schule abends nicht besetzt ist und er am Tage nicht hinfahren oder anrufen konnte, denn er musste ja arbeiten, schrieb der Bürger eine Mail. Aber er bekam keine Antwort. Dafür bekam er eine Mahnung. Dann schrieb er noch eine Mail und schickte sie diesmal an zwei Adressen der Stadt, doch auch darauf erhielt er keine Antwort. Diesmal kam ein Mahnbescheid. Wieder, wie schon öfter, wunderte sich der Bürger, nahm einen halben Tag Urlaub und ging mit den Unterlagen in die Schule des Volkes. Dort erklärte man ihm, dass die Mailadresse, die auf der Rechnung stand, nicht mehr existiert und man sich nicht erklären kann, warum er von der anderen Adresse keine Antwort erhalten hat. Nach langem Hin und Her wurde die Angelegenheit geregelt.

6. Kapitel: Gute Neuigkeiten? – Die Strafe folgt auf dem Fuß

Dann das Wunder. Die Stadt baute eine Straßenbahn Richtung Norden. Die Freude war groß. Doch inzwischen ist sie wieder verflogen, denn jetzt steht der Bürger abends eine Stunde am Campus Jungfernsee. Und spät abends fährt gar keine Kutsche mehr. Also muss der Bürger weiter mit dem Auto fahren. Damit die Autos einen Platz haben, hat das Wohnungsunternehmen  im Wohngebiet Parkplätze gebaut. Der Bürger dachte, das gehört dazu zu einem so großen Wohngebiet. Doch dann hat die Stadt gemerkt, dass die Straßen , die das Wohnungsunternehmen gebaut hat, viel zu eng sind und hat auf die Parkplätze kurzerhand Parkverbotsschilder gestellt. Eines Tages kam der Bürger nachts 01.00 Uhr mit seinem Auto von der Arbeit (eine Kutsche fährt da ja leider nicht mehr) und hat es auf den ehemaligen Parkplatz gestellt, weil er keinen anderen Platz gefunden hat. Er dachte sich, ich muss ja sowieso früh 05.00 Uhr wieder weg… Nach einigen Tagen bekam der Bürger Post von der Polizei, dass er nachts 02.00 Uhr im Parkverbot gestanden hat. Auch dafür soll er viele Taler bezahlen.

Am nächsten Abend kam er wieder erst Nachts von der Arbeit. Er fand wieder keinen Platz für sein Auto. Am Campus Jungfernsee konnte er es nicht abstellen, weil keine Kutsche mehr fuhr, einen anderen Parkplatz gab es nicht. Also stellte er sich wieder auf den ehemaligen Parkplatz und bekam wieder Nachts einen Strafzettel.

7. Kapitel: Die Gefahr – Wutbürger

Inzwischen reichte es dem Bürger. Jetzt war er sich fast sicher, dass in seiner Stadt die falschen Herrscher an der Macht sind.

Und dann das: Ein Kinderbauernhof soll all seine Gebäude abreißen!!!! Wegen Verstößen gegen Baurecht!!!! Der Bürger wundert sich wieder. Der große Bauunternehmer in seinem Wohngebiet baut Straßen, die zu schmal sind, lässt keinen Platz für Kitas, Einkaufsmöglichkeiten und Arztpraxen, was inzwischen bei jeder Baugenehmigung in dieser Größenordnung selbstverständlich dazu gehört, und muss keine Häuser abreißen. Der Bauamtsleiter baut ein viel zu großes Haus, für dass es keine ordnungsgemäße Baugenehmigung gibt und muss dieses Haus auch nicht abreißen, er ist jetzt nicht mehr Bauamtsleiter und genießt sein schönes Haus, aber der Kinderbauernhof, eine Initiative von Eltern und eingetragener Verein, soll seine Gebäude abreißen? Jetzt hat der Bürger die Grenze dessen erreicht, was er vertragen kann. Er schäumt vor Wut. Und er denkt sich, was soll ich nur machen? Meine Stadt wird von Herrschern regiert, die mich als Bürger überhaupt nicht wahr nehmen (doch, als Goldesel, der jeden Monat Taler abliefert).

8. Kapitel: Happy End

Doch trotz seiner großen Wut besinnt er sich auf sein demokratisches Grundverständnis, dass ihn daran erinnert, dass die AfD keine demokratische Partei ist, für ihn nicht wählbar ist und keine Lösungen für seine Probleme hat.  Und wenn er nicht gestorben ist, engagiert der Bürger sich weiter in der Bürgerinitiative für ein schöneres Fahrland, geht arbeiten und bezahlt seine Steuern. Nachts träumt er davon, dass das Märchen genug Denkanstöße für alle demokratischen Parteien enthält und sie diese endlich aufgreifen, den Bürgern zuhören und sich als das verstehen, was sie sind: Dienstleister für die Bürger und Interessenvertreter der Bürger!

 

Karo, September 2018

(die Verfasserin ist der BI Fahrland bekannt)