Vergiftete Äpfel für Fahrland? Oder: die Möhre vor dem Eselskarren. Bericht einer denkwürdigen Ortsbeiratssitzung vom 20.02.2019

Die Ortsbeiratssitzung vom 20.02.2019 hatte einige spannende Themen auf der Tagesordnung. Auch die Presse war vor Ort und die MAZ berichtete unter anderem hier. Mit dem Bebauungsplan Wohnanlage Ketziner Straße, dem Entwicklungsgebiet Fahrland-West und dem Bebauungsplan Am Friedhof ging es heute vor allem um eins: Bauen, bauen, nochmal bauen. Vorweg bemerkt: Dafür kam heute sogar Theodor Semmelhaack persönlich nebst seiner Frau! Aber der Reihe nach:

Bürgerfragen

Bei den Bürgerfragen wurde zunächst zu Kenntnis gegeben, dass die lange geforderte 2. Kita hinter dem Nahkauf unter dem Arbeitstitel „Fahrländer Feldmäuse“ (nein es sind nicht die Landmäuse, wobei sich die Frage der Verwechslungsfahr und der Absicht hinter dem Titel tatsächlich stellt) endlich begonnen wurde zu bauen. Eine Ausschreibung des Trägers ist allerdings erneut vertagt worden; nun: bis Eröffnung im August 2019 ist ja noch ein bisschen Zeit oder wie denkt man sich so ein langwieriges Verfahren?
Außerdem wurde beantragt für die Schulerweiterung (weiß zwar noch keiner wohin die Erweiterung geht, aber man fängt schon mal an) einen Container für die Schulspeiseversorgung für den Zeitraum von maximal 8 Jahren aufstellen zu können, zusätzlich zu der noch dieses Jahr erfolgenden eigentlich unkomplizierten Aufstockung des Bestandsgebäudes um 6 Räume.
Zudem wurde auf Nachfrage unseres BI-Mitgliedes Tina Lange mitgeteilt, dass es noch keine Informationen bezüglich ihrer bereits vor 3 Monaten erfolgten Nachfragen zur möglichen Fahrbahnmarkierung der Landstraße von Fahrland über Kartzow Richtung Priort und zur nicht funktionalen Ampelschaltung am Campus Jungfernsee zum/vom Park&Ride gibt. Aber Herr Wartenberg hat entsprechende Anträge zur Märzsitzung nun angekündigt.

Bebauungsplan Nr. 161 Wohnanlage Ketziner Straße

Theodor Semmelhaack hat sich schon wieder etwas Neues ausgedacht und präsentiert seine Pläne in Kombination mit der Bebauung seiner noch unbebauten Sozialflächen am Ende des Hasenstegs: Nun sollen es doch wieder Einfamilien- und Doppelhäuser in der Ketziner Straße werden, aber mit 5m Grüngürtel zu den Bestandsgebäuden und freundlicherweise dürfen nun auch die historischen Mauern der Nachbargrundstücke stehen bleiben (die sich leider nicht auf den Zentimeter genau an die nachträglich gezogenen Grundstücksgrenzen halten).
Hier kam man sich nun vor wie auf einer Kaffeefahrt: Herr Semmelhaack präsentierte stolz seine Pläne, brachte dafür große Schautafeln im A1-Format mit hübschen Bilder an. Er möchte gern am Hasensteg ein Pflegeheim mit 110 Plätzen und eine (im Ort dann dritte) Kita mit 120 Plätzen bauen, wobei  letztere auch als Betriebskita für das Pflegeheim mit dienen soll. Dafür stünde wohl auch bereits ein bekannter großer Träger aus Potsdam zur Verfügung. Des Weiteren sollen weiterhin an die Ketziner Straße die 24 Doppelhaushälften und 8 Einfamilienhäuser auf nun nochmals verkleinerten Mini-Grundstücken gebaut werden. Dazu kommt das Angebot einer hier im Ort ja bereits lang ersehnten Apotheke vorn an der Ketziner Straße direkt neben der Einfahrt in das Areal. Dort oben drüber sind Wohnungen geplant, er könnte sich dort aber auch 1-2 Arztpraxen vorstellen – ein Vorschlag, den Herr Wartenberg leider rigoros ablehnt. Unverständlicher Weise, wie wir finden.
Zudem hörte Semmelhaack von dem durch engagierte Fahrländer Bürger*innen, die BI Fahrland und dem Bürgerverein Fahrland vorangetriebenen Bücherzellen-Projekt und gab seine Zustimmung zum Bau der Bücherzelle vor dem Nahkauf. Der Pächter Herr Schramm hatte uns diese Fläche angeboten, aber natürlich muss der Eigentümer Herr Semmelhaack auch zustimmen.
Problematisch allerdings: Herr Semmelhaack sagte klar und deutlich, dass er dies alles als ein gemeinsames Projekt sieht und auch nur gemeinsam als solches und gleichzeitig bauen will und wird. Sollte man sich also weiterhin gegen die Bebauung der Ketziner Straße sperren, wird der Rest auch nicht gebaut. Könnte man dies schon Erpressung nennen? Nein, nur ein sicher gut gemeinter Hinweis von Herrn Semmelhaack an den Ortsbeirat.

Entwicklungsgebiet Fahrland-West und die Tram-Erweiterung

Der Ortsbeirat stimmte dem Grundsatzbeschluss zur Verlängerung der Straßenbahn bis nach Fahrland einstimmig zu, ebenso der Vorkaufsrechtssatzung für die Trassenstrecken bis zur Döberitzer Straße. Die Vorkaufsrechtssatzung für das letzte Areal an der Regenbogenschule, wo die Tram-Wendeschleife und Endhaltestelle hin soll, die wurde jedoch mit zahlreichen anderen Bedingungen verknüpft, weshalb der Ortsbeirat seine Zustimmung verweigerte. Mit dieser Satzung waren nämlich nicht nur die kleinen Flächen für die Tram einbezogen, sondern es ging um sagenhafte 62 Hektar Land, von 78% im Landschaftsschutzgebiet liegen. Die Stadt will dort alles Mögliche prüfen und dann nach Möglichkeit auch errichten: das Straßenbahnende, die Schulerweiterung, ein Tram-Depot, eine Stadtentsorgungs-Anlage für Müll, eine Berufsfeuerwehr, einen großen Park&Ride-Platz, 2 wettkampfgerechte Sportfelder, sogar Ersatzaufforstungsflächen und nicht zu vergessen Wohnbebauung nebst dafür nötiger weiterer Infrastruktur wie Kitas, einen Supermarkt, Spielplätzen, Wegen, Grünanlagen und Kleingärten. Auf 62 Hektar kann man allerdings sehr viel bauen – Am Upstall-Nord und -Süd beispielsweise wurde auf weniger Areal etwa 700 Wohneinheiten geschaffen.
Unsere BI-Mitglieder Matthias Päper und Esther Raudszus-Walter beantragten Rederecht und kritisierten die Pläne, verbunden mit Nachfragen, die den Umfang der Planungen erst deutlich machte. Der Ortsbeirat teilte diese Meinung dann ebenso wie auch die problematische Lage im Landschaftsschutzgebiet. Karsten Etlich, Mitglied des Ortsbeirates und unserer BI, mahnte an, dass eine Berufsfeuerwehr die örtliche Freiwillige Feuerwehr Fahrland zerstören würde und außerdem nach Krampnitz gehöre. Auch der mit der Müllanlage entstehende Verkehr direkt neben einer Grundschule und an einer ohnehin schon schwer belasteten Hauptstraße wurde abgelehnt, ebenso wie weitere massive Wohnbebauung. Eine völlige Überformung noch verbleibender Kultur- und Naturlandschaft wäre die Folge.
Herr Querhammer machte im Ortsbeirat noch einmal deutlich, dass er diese erpresserische Verquickung der Straßenbahn mit all den anderen Dingen unsäglich findet. Dem schloss sich der Rest des Ortsbeirates deutlich an.

Bebauungsplan Nr. 132 Am Friedhof

Zuletzt wurde auch der Bebauungsplan Am Friedhof erneut diskutiert, da die Stadt eine inzwischen 3. Auslegung wünscht. Tina Lange beantragte dazu Rederecht und machte deutlich, was daran zu kritisieren ist: Der nun schon jahrelang versprochene Schulweg soll nun doch nicht mehr durch den Investor gebaut werden (hier werden mal wieder Ortsbeiratsbeschlüsse geflissentlich ignoriert, die Stefan Matz bereits 2015 initiierte), sondern durch die Stadt. Die hat dafür aber allerfrühestens 2022 Geld im Haushalt übrig. Außerdem wurden fast alle Einwendungen von Bürger*innen und Behörden im Zuge der vorangegangenen Auslegungen ignoriert, darunter auch Forderungen der BI. So gibt es weiterhin keine Festlegungen zu schützenswerten Altbäumen, weiterhin keinen sozialen Wohnungsbau (weil zu teuer), weiterhin keinen ausreichenden Naturschutz, weiterhin veraltete Gutachten, weiterhin keinen Spielplatz und zu wenige Parkplätze bei zu engen Straßen, weiterhin geleugnete Altlasten im Boden (die man ja rasch überprüfen könnte, wenn man will). Zu guter Letzt werden sogar Einwendungen der Potsdamer Verkehrsbetriebe ignoriert, die eine Einplanung der Tram-Trasse fordern. Das stand ja auch nicht gerade direkt davor auf der Tagesordnung – zur geplanten Endhaltestelle kommt man nämlich nur bei Durchquerung des Areals am Friedhof.
Die Verwaltung reagierte dann auch einigermaßen unangemessen, wirkliche Argumente fehlten hier, insbesondere zum Schulweg. Zwischenzeitlich klang es sogar so, als sei der Schulweg nun wegen der Tram nicht mehr realisierbar, weil sich das ja im Weg stünde, weshalb der Weg erst danach kommen könne (Also ab 2026 sogar erst?).
Schlussendlich beantrage Herr Querhammer dann die Vertagung des Antrages der Verwaltung auf die nächste Sitzung, verbunden mit dem Auftrag an die Verwaltung, bis zur März-Sitzung einen verbindlichen Fertigstellungstermin für den Schulweg zu präsentieren. Hier sei abschließend noch einmal daran erinnert: Unser Schulbeigeordnete Frau Aubel sagte dem RBB-Fernsehen im Mai 2018 die Realisierung des Schulweg bis spätestens Ende 2019 zu. Nun, wir werden sehen.

Bebauungsplan „Wohnanlage Ketziner Str. 22″: Investor Semmelhaack plant komplett NEU

Eine bemerkenswerte Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung Bauen und Verkehr   am 22. Januar 2019

Bebauungsplan Nr. 162 „Wohnanlage Ketziner Str. 22“: Investor Semmelhaack plant NEU

Nach einer Auftakt-Demo vor der Tür zur endgültigen Absage an das Verkehrsprojekt Havel-Spange, dritte Havel-Querung in Potsdam, und nach  einer diffusen Diskussion zum Thema Aufstellungsbeschluss für einen sehr exponierten Neubau am östlichen RAW-Gelände, hat sich dann auch für unser Fahrländer Bauprojekt Nr. 161 eine sehr überraschende Wendung der bisherigen Planungsansätze ergeben.
Nach einer mehr als 2-1/2-stündigen Debatte zu den erstgenannten Themen konnte endlich David Weidling von der Fahrländer Anwohnerinitiative (AI Fahrland) in seinem Redebeitrag als betroffener Anwohner nochmals eindringlich und sachlich fundiert darlegen, dass der Ausschuss von einer Zustimmung zum vorliegenden Aufstellungsbeschluss Abstand nehmen möge. Ein Änderungs-Vorschlag der Fraktion die aNDERE, die einen 12m breiten Abstand zwischen den Bestandsgrundstücken und der geplanten Neubebauung, einschließlich der Neuanpflanzung einer Streuobstwiese vorsah, könnte dabei als ein maximal möglicher Kompromiss in Betracht gezogen werden.

Kurz vor der endgültigen Abstimmung brachte Stadtplanungschef Goetzmann, vollkommen überraschend für alle Beteiligten einen neuen Vorschlag für die weitere Bebauung ein: Auf die Planung einer Wohnbebauung mit 34 Einfamilienhäusern wird verzichtet. Stattdessen sollen die Planungen für ein Pflegeheim mit 80 Plätzen vorangebracht werden. Erste Planungsskizzen konnte er bereits vorlegen.
Demnach soll es einen 12m breiten Abstand zur Bestandbebauung geben, der begrünt werden soll. Daran schließt sich ein sehr komplexer und massiver Baukörper für ein Alters-Pflegeheim an, der von 5 Bungalows mit 18 Senioren-Wohnungen begrenzt werden soll. Man geht hier zunächst von einer zweigeschossigen Bebauung aus, bei der das Dachgeschoss aber als Vollgeschoss ausgebildet sein soll. Durch diese neue Situation musste der Tagesordnungspunkt erneut vertagt werden.

Als nächster Schritt wird der Ortsbeirat in Fahrland vermutlich auf seiner kommenden Sitzung am 20. Februar mit weiteren Informationen um seine Stellungnahme gebeten.
Wir, die AnwohnerInitiative, werten dieses Einlenken des Investors Semmelhaack als großen Erfolg und sind gespannt auf die weitere Entwicklung in diesem sensiblen Bereich, die wir auch weiterhin kritisch und konstruktiv begleiten werden.

Jörg Walter, AI Fahrland und BI Fahrland, 25.Januar 2019

 

Hier gibt es auch noch die gute Rede vom Anwohner David Weidling zum Nachlesen:

Vielen Dank für das eingeräumte Rederecht.
Um ein „langwieriges B-Planverfahren“ zu vermeiden, sollte der Ortsbeirat Fahrland 2016 der Bebauung mittels eines städtebaulichen Vertrages zustimmen. Er stellte ökologische Anforderungen, wurde aber übergangen. Der damalige Oberbürgermeister strich diesen Passus – wegen angeblicher Benachteiligung des Investors – und unterschrieb den Vertrag. Der Ortsbeirat lässt diese Vorgehensweise seit Mai 2018 durch eine Organklage rechtlich prüfen. Dass der Vertrag und die daraufhin erteilte Baugenehmigung unrecht war, mussten die Anwohner auf eigene Kosten durch die Kommunalaufsicht richtig stellen lassen.
Obwohl der Ortsbeirat übergangen wurde, behauptete Frau Holtkamp noch am 13.11.2018 im KOUL-Ausschuss, dass sich dieses B-Planverfahren auf ein vom Ortsbeirat unterstütztes Bebauungskonzept stütze. Die Stadtverwaltung setzt ohne Legitimation seit 2016 intensiv Ressourcen für einen Investor ein. Scheinbar sollte dieses Bauvorhaben um jeden Preis und an den Stadtverordneten vorbei durchgesetzt werden.

Der inzwischen rechtswidrige, aber weiterhin gültige Bauvorbescheid erlaubte dem Investor mit den Bauvorbereitungen zu beginnen. Inzwischen wurden 21 nach Baumschutzverordnung geschützte Bäume gefällt. Die Verordnung regelt eindeutig, dass auch zu prüfen ist, ob Bäume erhalten werden können. Die Fällgenehmigung wurde ohne diese Prüfung erteilt. Vielleicht, weil sonst ein B-Planverfahren hätte eingeleitet werden müssen. Es sind Gebäude abgerissen worden, obwohl sich dort nachweislich die Winterquartiere von geschützten Fledermäusen und Nistplätze von zwei geschützten Vogelarten befanden. Es gibt gesetzliche Vorschriften die hierbei einzuhalten sind und durch die Naturschutzbehörde unzureichend durchgesetzt wurden. Eine Begehung vor dem Abriss reicht nicht aus. Wie sollen diese Tiere ihre Ausgleichquartiere finden?
Das ebenfalls unter Naturschutz stehende Maulwurfvorkommen wurde brachial, unter Zuhilfenahme einer Rüttelplatte, innerhalb seiner Paarungszeit vertrieben. Um sicherzustellen, dass auch wirklich kein Maulwurf mehr vorhanden ist, wurde die Wiese noch zwei Mal intensiv umgepflügt, obwohl die Tiere in dieser Zeit jungen. Das alles als
Vorgabe der Naturschutzbehörde (Vergrämungskonzept). Auf Bodenbrüter und weitere geschützte Tiere inklusive Insekten wurde ebenfalls keine Rücksicht genommen. Das Vorkommen beobachtbarer geschützter Arten wurde im Gutachten einfach negiert (z.B. Storch). Die klimatische Ausgleichsfunktion der Wiese wurde heruntergespielt. Als Ausgleich für den Ortsteil werden Maßnahmen weit außerhalb von Fahrland eingebracht. Das wirkt auf uns äußerst absurd. Der 1. Aktionsplan zum Masterplan Klimaschutz wird hier völlig ignoriert. Es erscheint uns sehr mangelhaft, wie der Umwelt- und Naturschutz bei diesem Bauvorhaben berücksichtigt wurde.
Die Planung widerspricht außerdem dem aktuellen Landschaftsplan. Dieser definiert u.a. das Ziel: keine weitere Außenentwicklung. Für das sich aktuell im Außenbereich befindliche Flurstück 92 ist folgendes festgehalten: Erhaltung/ Entwicklung extensiv genutzter Grünlandflächen, Gras und Staudenflur. Beides wird im nun vorgelegten Entwurf ignoriert. Diese Eintragungen zielen aber auf den Schutz der vorhandenen Strukturen ab. Der Flächennutzungsplan ist hierfür viel zu grob angelegt.
Das historische Fahrland ist durch eine straßenbegleitende Bebauung mit Hinterland gekennzeichnet. Ein Baugebiet in einem historischen Dorfkern sollte Rücksicht auf die vorhandene Bebauung nehmen. Das erfolgt hier allerdings nicht. Das geplante Baugebiet zeichnet sich durch eine exzessive Bebauung der zur Verfügung stehenden Fläche aus. Das zu bebauende Grundstück hat eine ökologisch und kulturell sehr bedeutsame direkte räumliche Verbindung zu anderen Schutzgebieten. Es ist nicht rundum bebaut. Diese Verbindung ginge dem Dorfkern verloren und Fahrland würde nur noch mehr als reine Neubausiedlung wahrgenommen werden. Der Bauträger soll ausdrücklich nicht – und abermals wegen angeblicher wirtschaftlicher Benachteiligung – nach dem Potsdamer Baulandmodell beteiligt werden. Diese Benachteiligung zweifeln wir bei den aktuellen Verkaufspreisen und den vielen eingeräumten Vorzügen sehr an. Das ein B-Planverfahren Geld kostet, kann hier nicht vorgebracht werden, sondern das ist üblich. Beim Kauf eines Grünlandes im Außenbereich muss ein Investor damit rechnen.

Im KOUL-Ausschuss vom 13.11.2018 stellten Herr Rubelt und Frau Holtkampt neuerlich dar, dass ökologische Vereinbarungen in einem städtebaulichen Vertrag unzulässig seien. Der Investor möchte einen Außenbereich baulich entwickeln. Die Stadt hat hier jedesRecht diese Entwicklung zu regulieren. Die Anforderungen an den Klimaschutz im Fahrländer Stadtteil Krampnitz untermauern das. Der städtebauliche Vertrag zum Bebauungsplan Nr. 132 „Am Friedhof“ zeigt außerdem, dass es zumutbar ist, trotz umfangreicher ökologischer Anforderungen und langer Bearbeitungszeit, den Bauträger nach dem Potsdamer Baulandmodell zu beteiligen. Warum bevorteilt die Verwaltung diesen Investor und warum stellt sie Gleichbehandlungen mit Anderen als Benachteiligung dar?
Der vorgelegte Bebauungsplan ist aufgrund seiner mangelhaften Ausarbeitung nicht nur von uns abzulehnen. Scheinbar wurde von der Stadtverwaltung nur versucht die vorangegangenen Fehlerentscheidungen zu legitimieren.
Den Ergänzungsantrag (18/SVV/0760) von „die andere“ befürworten und unterstützen wir jedoch ausdrücklich. Dieser konstruktive Kompromiss mildert oder beseitigt die eben aufgezeigten Unzulänglichkeiten und dem Investor kann so zeitnah ermöglicht werden zu bauen.

Nehmen Sie uns bitte als Anwohner wahr und ernst. Es würde von Weitblick und Größe zeugen:
– wenn nicht nur die Interessen eines Bauinvestors Beachtung finden, – wenn Sie die Umsetzung des „Masterplan Klimaschutz“ nicht schon jetzt durch Sondergenehmigungen gefährden und
– wenn Sie sich nicht von der Stadtverwaltung vorführen lassen, dadurch dass diese Ihre Beschlüsse durch eigenmächtige städtebauliche Verträge und übereilte sowie halbherzige B-Planverfahren ad absurdum führt.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Bauvorhaben Ketziner Str. – aktuelle ausführliche Berichterstattung

Im Magazin „Der Potsdamer“ ist ein ausführlicher Artikel zum Bauvorhaben in der Ketziner Straße erschienen, der viele Tatsachen noch einmal anschaulich erklärt und zusammenfasst. Wir empfehlen das Lesen unbeding.

Hier ein kleiner Auszug als Vorgeschmack:

„Doch die erwähnte „Berücksichtigung der Interessen des Allgemeinwohls“ in Bezug auf das Bauvorhaben sieht man auf Fahrländer Seite etwas differenzierter.  Die Einwohner Fahrlands sowie der Ortsbeirat haben der Verwaltung gegenüber ihren Unmut über die Bauplanung und das Zustandekommen des städtebaulichen Vertrages mehrfach zum Ausdruck gebracht. […] “ – bisher jedoch erfolglos.

… und zum Thema Kostenbetieligung für Infrasturktur (statt nur Wohnungsbau!) “ Mit anderen Worten: Weil die Firma Semmelhaack wie jedes andere Bauunternehmen dazu verpflichtet wurde, ein geregeltes B-Plan-Verfahren in Bezug auf ihr Bauvorhaben zu durchlaufen und die damit verbundenen Kosten zu tragen, sei es ihr nicht zuzumuten, die laut Potsdamer Baulandmodell verpflichtende Umlage für den Aufbau der sozialen Infrastruktur zu leisten.“

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt…

Teilerfolg: Ortsbeirat lehnt Bebauung Ketziner Str. 22 ab

Unser BI- Mitglied Esther Raudszus-Walter, ebenfalls Mitglied der Anwohnerinitiative gegen die Bebauung der Ketziner Str. 22, sprach gestern im Ortsbeirat Fahrland gegen das geplante Bauvorhaben an der Ketziner Str. (ehemals 22). Der diesbezügliche Antrag wurde dann auch mit 5 Gegenstimmen (Birgit Eifler und Helmut Querhammer von den Grünen, Stefan Matz von der Linken sowie Uwe Rückert und Karsten Etlich von der SPD) bei 2 Fürstimmen (durch Claus Wartenberg und Wolfgang Dau von der SPD) zum Glück deutlich abgelehnt.
Nun geht es nochmal in den Bauausschuss zur Beratung und dann Anfang Januar erneut in die Stadtverordnetenversammlung. Wir hoffen, dass dort auf ein so deutliches Votum diesmal gehört wird – in der Vergangenheit war das ja leider selten der Fall.
Alle Unterlagen sind hier online zu finden.

Hier nun Esthers tolle Gastrede im gestrigen Ortsbeirat:

Wir sind unmittelbare Anwohner, und dass zum Teil schon über 30 Jahre, des zur Bebauung vorgesehenen Grundstücks an der Ketziner Straße.

Wir kommen uns gerade vor wie im Kampf von David gegen Goliath – ein großer Vorhabenträger, der in den letzten Jahren schon viel in Fahrland und anderswo in Potsdam gebaut hat, will noch mehr bauen.

Es gab schon etlichen Wirbel um dieses Bauvorhaben.

Die Fläche von etwa 1,5 h mitten im alten Ortskern von Fahrland gelegen, würde schon bebaut werden, wenn wir als Anwohner nicht die Initiative ergriffen hätten, über einen Fachanwalt für Baurecht bei den zuständigen Behörden (Bauamt und entsprechende Ministerien im Land) die Recht-mäßigkeit des 2017 geschlossenen städtebaulichen Vertrages mit dem  Investor überprüfen zu lassen.

Im Zuge des als widerrechtlich eingestuften abgeschlossenen städtebau-lichen Vertrages sind bereits Tatsachen geschaffen worden, die kaum noch zu heilen sind:

  1. Durch den Abriss der Gebäude Ketziner Straße 22 sind Winter-quartiere von einer sehr seltenen Fledermausart zerstört worden.
  2. 24 sind Bäume gefällt worden, davon 21 mit besonderem Schutz-status (zusätzlich sogar ein Baum auf privatem Gelände).
  3. Brutplätze von seltenen Vogelarten wurden vernichtet, die Feld-lerche wurde als Bodenbrüter vertrieben.
  4. Es fand eine brachiale Vergrämung des unter Naturschutz stehenden Maulwurfes statt:

Zuerst wurde mit einer schweren Rüttelplatte das gesamte Areal abgefahren und danach eine intakte Grünfläche rigoros umgepflügt, mit dem Ergebnis, dass die Maulwürfe jetzt in unseren Gärten sind.

Alle soeben aufgezählten Maßnahmen wurden übrigens ohne rechts-    gültigen Bebauungsplan durchgeführt.

Als Mitglieder der Anwohnerinitiative möchten wir Ihnen nun unsere  Gründe darlegen, weshalb wir der Überzeugung sind, dass dieses grüne Biotop nicht bebaut werden soll: Nur am Rand sei bemerkt, dass wir in der kurzen Zeit der ersten öffentlichen Auslegung mitten in der Urlaubszeit fast 300 Unterstützerunterschriften für unser Anliegen erhalten haben, diese Fläche nicht zu bebauen.

Jetzt zu den Gründen:

  1. Eine Grünfläche würde zerstört werden, die es laut Landschaftsplan zu erhalten gilt und die laut uns bekannter Beschlusslage der Stadtverordnetenversammlung nicht als Bauland ausgeweitet werden soll.
  2. Ein weiteres klimabildendes Grünbiotop würde vernichtet werden:

Im Rahmen der Umweltprüfung wurde festgestellt, dass die Durchführung der Baumaßnahmen erhebliche Umweltauswirkungen für die Schutzgüter Fläche und Boden, Tiere und Pflanzen, biologische Vielfalt und Klima/ Luft und Lufthygiene nach sich ziehen wird. Maßnahmen zur Vermeidung wurden hierbei bereits berücksichtigt.

Ich nenne nur das Beispiel, dass keine wirkliche Abkühlung in der Nacht erfolgen kann. Schmergow 25 km entfernt als Ausgleichs-fläche – klingt für uns als direkt betroffene Anwohner einfach absurd.

  1. Das Ortsbild vom Dorfkern Fahrland ist geprägt durch eine strassenbegleitende Bebauung mit landwirtschaftlicher Fläche im Hinterland (hier Grünland). Diesem wird nach unserer Meinung im vorliegenden Bebauungsplan mit 34 Häusern und 68 Autostellplätzen auf etwa 1,5 h Fläche überhaupt nicht Rechnung getragen. Spielplätze oder andere öffentliche Grünflächen sind in der Planung nicht vorgesehen.
  2. Hinsichtlich der bestehenden Aufnahmekapazität der Straßen wird vom Landesamt für Umwelt, Abt. Immissionsschutz angemerkt, dass keine weiteren Wohngebiete mit Anbindung an die L 92 und B 2 geplant werden sollten, solange nicht geklärt ist, ob die Kapazität für die bisherigen Planungen (B-Plan „Entwicklungsbereich Krampnitz“) ausreichend ist.
  3. Fahrland ist in den vergangenen Jahren extrem stark gewachsen:

Zahlen langweilen, erwähnen möchte ich hier nur: 1993 lebten in Fahrland 1200 Einwohner, Ende 2017 schon 5.065. Das ergibt einen Zuwachs von knapp 3900 Bürgern in etwa 24 Jahren. Für ein Dorf wie Fahrland sehr beträchtlich.

  1. Mehr Schaffung von Wohnraum führt nicht nur nach unserer Auf-fassung zu Stabilität oder gar Senkung von Mieten, sondern nur zu noch mehr Bedarf an Wohnungen, noch mehr versiegelter Fläche, noch mehr Verkehr.

Potsdam, eine Kommune mit einem Masterplan Klimaschutz?

Bei dem hier vorgesehenen Bebauungsplan wird wieder einmal mehr ein ABER gefunden, um notwendige Klimaschutzmaßnahmen zu umgehen, zu vermeiden, außer Acht zu lassen! Klimaschutz nur ein Lippenbekenntnis?

Die Potsdamer Klimaforscher appellieren aktuell an die Politik, also in   diesem Fall auf unterster Ebene an Sie – endlich die Kehrtwende einzu-leiten! Die Zeit wird knapp!!!

 

Wir möchten Sie bitten und fordern Sie nachdrücklich auf: Nehmen Sie uns als Anwohner wahr und sehr ernst.

Es würde von Weitblick und Größe zeugen, wenn nicht nur die Interessen großer Bauträger oder Vorhabenträger in Ihrem Blickfeld sind und Beachtung finden, sondern ein umweltverantwortlicher Umgang mit unserer gemeinsamen Zukunft in unserem Fahrland stattfindet!

B-Plan Ketziner Str. am 7.11. in der Stadtverordnetenversammlung

Es geht vorwärts, nun will die Stadtverwaltung am 7.11. den Bebauungsplan Ketziner Str. in die SVV einbringen. Alle Infos und Unterlagen sind hier zu finden.

Auch die PNN berichtet darüber bereits ausführlich und hat uns als BI auch dazu kontaktiert, der Artikel findert sich hier.

Es ist davon auszugehen, dass der Antrag erstmal in den Ortsbeirat und den Bauausschuss überwiesen und dann dort beraten wird. Außerdem haben wir eine Überweisung in den KOUL-Ausschuss für ländliche Entwicklung angeregt. Den kommenden Monat müssen wir also nutzen, wenn wir noch etwas bewirken wollen, außerdem wird dann danach noch einmal die ordentliche öffentliche Auslegung folgen.